Börse-Chef: Finanztransaktionssteuer schlechtes Geschäft

Der Aufschrei, vor allem unter Kleinanlegern und Verbänden, war riesig, als der amtierende deutsche Finanzminister Olaf Scholz verkündete, eine Finanztransaktionssteuer einführen zu wollen.

Diese Nachricht schlug freilich hohe Wellen, würde sie doch bedeuten, dass die ohnehin schon schwache Aktienkultur in Deutschland kaum gestärkt werden wird. Im Gegenteil. Mit einer solchen Steuer auf Aktienkäufe sollen also Menschen, die privat für das Alter vorsorgen wollen, abgeschreckt werden und stattdessen in die haltlosen Rentenpläne der Regierung gezwängt werden.

Sicherlich mag es andere Länder geben, in denen die diskutierte Steuer funktioniert, doch sollte man dabei, um die Objektivität zu wahren, auch auf die Umstände schauen und den generellen Blick auf Aktien werfen. Frankreich stellt hier ein tolles Beispiel dar.

Zwar erhebt unser geschätztes Nachbarland nun schon seit geraumer Zeit diesen Abschlag auf Finanztransaktionen ein, jedoch muss gleichzeitig beachtet werden, dass die Franzosen sowieso den Aktien nicht annährend so ablehnend gegenüber stehen, wie es die Deutschen leider noch immer tun.

Das bedeutet also, dass sich die meisten erfahrenen Anleger kaum aus der Balance bringen lassen werden, nur weil sie einen kleinen Abschlag pro Transaktion zahlen müssen. Natürlich werden auch sie die zusätzlichen Kosten spüren, die unmittelbar die Rendite drücken werden.

Doch was ist mit all jenen, die vielleicht vor kurzem noch den Sprung auf den Kapitalmarkt gewagt hätten, weil sie endgültig eingesehen hatten, dass die Zinspolitik der EZB das Vermögen doch nicht mehrt. Lassen sich genau diese Personen jetzt von der geplanten Steuer abschrecken und sehen sie nun vor allen Dingen die Risiken und Nachteile? Das mag gut möglich sein. Folglich stecken jene arme Menschen in einem echten Dilemma. Sie waren auf der Suche nach renditebringenden Anlagen, aus welchem Grund auch immer, müssen sich nun jedoch doch wieder mit den Sparbüchern abfinden.

Oder sie begehen einen noch größeren Fehler und steigen bei völlig riskanten Derivaten ein. Bei solchen übrigens wäre eine Steuer sehr wohl angebracht, um den Traderwahnsinn einzuschränken und den Fokus hingegen auf ein wertbasiertes Investment zu legen.

Doch um diesen Diskussion noch zu einem halbwegs sachlichen und neutralem Ende zu führen, sollte trotzdem noch der positive Aspekt angeführt werden, wenngleich dieser die Nachteile keineswegs kompensieren kann. Berücksichtigen sollte man dennoch den vorhin schon angesprochenen Fakt, dass hochriskante Anlagen durch die Steuer gestoppt beziehungsweise zumindest eingeschränkt werden.

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